Mit der "Elisabeth" durch 4 Provinzen  

Nun ja, wie soll man anfangen zu schreiben?
Wir erreichen so um 10°° Uhr die Charterbasis von Jachtcharter Sneek und werden sehr freundlich empfangen. Gretha zeigt uns die "Elisabeth" die für die nächsten 14 Tage unser Zuhause sein wird. Nachdem wir uns eingerichtet haben fahren wir noch in die Stadt um Vorräte zu kaufen.
Es werden noch die üblichen Formalitäten erledigt und es kann los gehen.
Nach dem Verlassen des Hafengebietes t´ges biegen wir backbord auf den Houkesloot ab und fahren bis zur Dompschutsluis, denn wir wollen über die Middelseeroute bis Leeuwarden fahren. 
Hier treffen wir auf eine andere Welt.
Die Landschaft ist urwüchsig und man fährt im wahrsten Sinne des Wortes durch Felder und Wiesen.
Diese Regelmäßigeit wird nur unterbrochen von alten Weidenbäumen die am Rand des Ufers stehen.
Uns gefällt es hier gut.
Nach etwa 2/3 der Strecke biegen wir auf den Mantgumervaart ab um nach Mantgum zu gelangen. Hier wollen wir die Nacht verbringen, denn hier gibt es Möglichkeiten zum festmachen.
Die Zufahrt ist wirklich "abenteuerlich" (Udo Hölscher's Worte), denn der Kanal ist sehr schmal und eine der Brücken ist nur 4.00 Meter breit. Die "Elisabeth" ist 3.80 m breit und wir haben ein wenig Bedenken ob das gut geht. Wir nehmen vor der Brücke die Fahrt ganz raus, so daß das Boot zum Stillstand kommt. Dann schieben wir uns vorsichtig, Petra steuerbord und ich backbord durch die Brücke, immer die Fender im Auge, da das Ganze gerade so passt. Wir sind gut durch die Brücke gekommen, hatten aber mit hunderten von Spinnen direkten Augenkontakt. Super!
Im Ort selbst haben wir am Ufer festgemacht. Hier gibt es keinerlei Versorgung.
Es ist spät geworden heute und so verzichten wir auf eine Ortsbesichtigung und lassen den Tag gemütlich ausklingen. 

So abenteuerlich wie der gestrige Abend endete beginnt der heutige Törn.
Wr müssen zurück auf die Middelseeroute die wir ja gestern verlassen haben um in Mantgum festzumachen.
Es gilt ein zweites Mal die 4.00 Meter breite Brücke zu durchqueren.
Der Wecker klingelt sehr früh und bei Sonnenaufgang werden die Taue los-geworfen.
Die Erfahrung hat uns gelehrt das das Wetter am Morgen besonders ruhig und meistens windstill ist. Das ist günstig für unser Vorhaben.
Wir passieren die Brücke auf gleiche Weise ein zweites Mal. Nachdem wir uns von den Spinnen verabschiedet haben, können wir auch wieder die schöne Natur genießen.
Am Vormittag erreichen wir Leeuwarden.
Hier machen wir erstmal eine ausgiebige Frühstückspause. Unser Tag hat ja heute schon früh begonnen. Auf eine Stadtbesichtigung verzichten wir, da wir diese schon auf einem früheren Törn besucht haben. Wieder gestärkt setzen wir unsere Reise fort und erreichen mittags Birdaard. Hier legen wir an und machem einen kleinen Spaziergang und nachdem auch die Mittagspause des Brückenwärters zu Ende ist setzen wir unsere Fahrt nach Dokkum fort.
Am frühen Nachmittag erreichen wir unser Ziel und machen in der Baantjegracht fest. Vor und hinter uns auf einer Anhöhe die beiden Mühlen die praktisch das Wahrzeichen dieser schönen alten Stadt sind.
Nachdem wir "Klarschiff" gemacht haben brechen wir zu einem ausgiebigen Sonntagnachmittag Spaziergang auf. Abends geniessen wir die Ruhe und den herrlichen Ausblick auf die beleuchteten Windmühlen.

Nach einer ruhigen Nacht verlassen wir unseren malerischen Liegeplatz in Dokkum und tuckern auf dem Dokkumer Grootdiep Richtung Kollum. 
Nun wollen wir im Zijlterried am dortigen Marrekrite-Liegeplatz festmachen, aber da haben wir die Rechnug ohne den Wirt gemacht.
Aufgrund des niedrigen Wasserstandes ( Winterpeil ) fehlen uns 20 cm unterm Kiel. Beim Anlaufen des Liegeplatzes haben wir Grundberührung. Es gibt leider keine weitere Möglichkeit für uns anzulegen und so beschliessen wir weiterzufahren.
Über den teilweise sehr schmalen Stroobosser Trekvaart geht es weiter bis Westergeest wo wir nach Backbord auf die Nieuwe Vaart einbiegen.
Bei der Swimmersheechbrug finden wir sehr schöne Liegeplätze. Hier legen wir erst einmal eine Pause ein. 
Wir fahren weiter bis zum Jachthafen Zwartkruis bei Noordbergum wo wir die Nacht verbringen.

Heute morgen erwartet uns dichter Nebel und wir können erst gegen 9.30 Uhr unsere Reise fortsetzen. Über das Bergumermeer fahren wir auf den Prinses-Margrietkanaal und den Van-Starkenbourghkanaal nach Groningen.
Wir erledigen unsere Einkäufe und gehen Essen. Den Abend lassen wir nach einem anstrengenden Fahrtag gemütlich ausklingen

Nun ja, Groningen ist schön, aber wir müssen wieder weiter. Wir fahren zum Zuiderhaven um dort auf den Noord-Willemskanaal zu gelangen. Ab der ersten Brücke im Noord-Willemskanaal begleitet uns ein Brückenwärter bis zur Stadtgrenze und öffnet alle auf diesem Abschnitt liegenden Brücken für uns. Wir werden telefonisch bei der nächsten Brücke angemeldet, wo man schon auf uns wartet. Dazwischen treffen wir auf wenig besiedelte bewaldete Polderlandschaft.
Unser heutiges Ziel soll die Stadt Assen sein, auf dem Weg dorthin müssen wir 3 Schleusen mit einem jeweiligen Hub von 3 m bewältigen. Und dazwischen liegen wieder zahllose Brücken. Der Schleusenwärter der uns an der letzten Schleuse bei Assen erwartet verabrdet sich mit uns morgen früh bei der nächsten Brücke. Hier endet auch der Nord- Willemskanaal und die Drentsche Hoofvaart beginnt.

Heute heißt es früh aufstehen, den wir haben eine Verabredung. Nach der Übernachtung an der Schleuse Peelo legen wir um 7.30 Uhr ab um um 8.00 Uhr an der Asserwijkbrug zu sein, wo schon grünes Licht auf uns wartet. Die Etappe wird mit dem Brückenwärter abgesprochen, der mit dem Auto parallel die Strecke begleitet und für uns die folgenden Brücken öffnet. Nach einer gewissen Distanz wird dann an einen Kollegen übergeben, der wiederrum bis zu seiner letzten zuständigen Brücke mitfährt und uns telefonisch beim nächsten Brückenwärter anmeldet. Es ist in der Herbstsaison wichtig schon vorher zu wissen wie weit man an welchem Tag fahren möchte, da die Durchfahrt organisiert ist. 
Wir sind auf der gesamten Strecke (42 km ) das einzige Boot und alle Brücken und Schleusen werden zügig für uns bedient.
So bewältigen wir die 25 bewegbaren Brücken und 6 Schleusen mit einer Hubhöhe von insgesamt 12 Metern in Rekordzeit.
Wir laufen im Passantenhafen von Meppel um 15.00 Uhr ein.
Ja ja, wir wissen dass das ein bisschen viel und sehr schnell war. Wir haben auch schon beschlossen die Strecke sobald wie möglich nochmal zu fahren. Es ist landschaftlich sehr schön und abwechslungsreich und wir lassen uns dann auf jeden Fall mehr Zeit. 
Nach einer Pause machen wir noch einen Bummel durch die Altstadt von Meppel. Hier gibt es sehr viele Einkaufsmöglichkeiten und eine große Anzahl von Gastronomiebetrieben die zum Verweilen einladen

Bei unserer gestrigenn Anmeldung beim Hafenmeister stellten wir fest, dass es hier die Möglichkeit gibt Wäsche zu waschen. 
Also planen wir den heutigen Morgen für Hausarbeit ein und legen erst gegen Mittag ab.
Unser Tagesziel soll Steenwijk sein, hier gibt es gute Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe des Hafens.
Samstag wollen wir uns auch noch die Altstadt anschauen und das Kirmes- und Zirkusmuseum besuchen. Nach einer gemütlichen Fahrt über Giethorn machen wir im Passantenhafen von Steenwijk fest. 
Haben wir schon erwähnt, dass wir herrliches Wetter haben mit Temperaturen bis 20 Grad in der Sonne. Man beachte das Datum. So relaxen wir am Nachmittag in der Plicht und lassen es uns gut gehen.

Unser heutiger Urlaubstag beginnt mit einem Stadtbummel durch Steenwijk. Leider stehen wir beim Kirmesmuseum vor verschlossenen Türen. Dann müssen wir halt diesen Ort zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal besuchen.
Wir schlendern durch die City und schauen uns die Geschäfte an. Steenwijk ist wirklich sehr schön und man kann hier prima durch die Einkaufsstrassen bummeln. Gegen 11.30 Uhr sind wir wieder an Bord und legen ab.
Wir verlassen den Hafen mit Ziel Tjeukemeer. Über den Steenwik- Ossenzijl-Kanaal fahren wir zur Driewegsluis. Nach der Passage steuern wir über den Pier Chistiaansloot das Tjeukemeer an wo wir bei Tonne 24 das Fahrwaaser verlassen und die Insel Marchjepölle ansteuern. Hier finden wir einen schönen geschützten Liegeplatz, an dem wir die Nacht verbringen. Es ist herrlich an der Insel zu liegen mit Blick auf das Tjeukemeer.

Wir legen gegen 10°° Uhr im Tjeukemeer ab und fahren über Sloten nach Woudsend. An der Außenkade vom Jachthaven De Rakken legen wir an um einen Spaziergang durch den Ort zu machen. Das Wetter ist sehr schön und so beschließen wir für heute hier zu bleiben und genießen das milde Herbstwetter. 

Heute wollen wir nach Workum und weil das nicht so weit weg ist von Woudsend lassen wir es ruhig angehen. Ausserdem haben wir Nebel und bei der Suppe muß man ja nicht übers Heegermeer fahren, wenn man die Hand vor Augen nicht sieht. Also machen wir gründlich klar Schiff und als es gegen 10:00 Uhr aufklart legen wir ab. Nach ca. 2 Std. sind wir am Ziel und machen erst einmal Mittagspause. 
Gestärkt und ausgeruht machen wir unsere Räder klar und fahren zum Strand von 't Soal. Es ist herrlich bei strahlender Sonne so am Wasser zu sitzen und die Seele baumeln zu lassen. Ich sage nur: "Das haben wir uns verdient". Überhaupt haben wir mit dem Wetter bis jetzt sehr viel Glück, bis auf 2 Tage (Nebel & starke Bewölkung) nur Sonne und angenehm warm.

Das heutige Ziel unseres Törns ist die Stadt Makkum. Auf dem Workumer Trekvaart passieren wir den Ort Parrega von wo wir vor Tjerkverd auf den Van Panhuiskanaal einbiegen.
An der Grote Zijlrode im Binnenhafen finden wir einen sehr schönen Liegeplatz gegenüber der berühmte Makkumer Porzellanmanufaktur. Menschen die schönes Porzellan lieben sollten diese unbedingt einmal besuchen. 
Uns zieht es auch heute wieder ans Ijsselmeer. Also werden die Räder klar gemacht und wir radeln bis zum Strand des Recreatieood Holle Poarte wo wir einen erholsamen Nachmittag am Strand verbringen.

Es geht nach Sneek.
Unsere Fahrt geht vorbei an Tjerkewerd, Bolsward und Ijlst.
Bei unserer Ankunft in Sneek machen wir in De Kolk am Waterpoort fest.
Den Nachmittag verbringen wir mit einem ausgiebigen Stadtbummel.
Sneek sollte in keiner Törnplanung fehlen. Diese wunderbar quirlige Stadt ist immer eine Reise wert.
Die Vielzahl an Geschäften und Gaststätten bietet eine Riesenauswahl. Hier ist im wahrsten Sinne des Wortes für jeden Geschmack etwas dabei.
Am frühen Vormittag starten wir die Maschine und fahren nach Grou. Über das Sneekermeer und den Prinses Margriet Kanaal laufen wir im neuen Jachthafen der Gemeinde Grouw ein. Nach ausgiebigem Stadtbummel machen wir wieder los und legen uns gegenüber im Pikmeer an das Groot Eiland das im Sommer als Start und Zielpunkt für Regatten dient.
Wir sind ganz allein mitten in der Natur und haben einen unverbaubaren Ausblick auf den Prinses Margriet Kanaal.

Oh, heute haben wir uns aber viel Zeit gelassen. Ist ja auch nicht so schlimm den unser Urlaub neigt sich langsam dem Ende. Wir sind um 10:00 Uhr noch einmal rüber nach Grou gefahren weil wir noch etwas erledigen wollen. Um 12:30 Uhr sind wir wieder klar und setzen unsere Reise fort. Wir haben beschlossen noch einen kleinen Rundtörn zu fahren. Über den Prinses Margriet Kanaal, die Langeweerder Vaart und den Noorder Oudeweg fahren wir ins Sneekermeer. Am Starteiland übernachten wir.
Da wir morgen das Schiff wieder abgeben müssen packen wir schon einmal unsere Sachen.
Den Rest vom Abend nutzen wir um unseren Törnbericht fertig zu stellen solange die Erinnerung noch frisch ist.

Fazit:

Alles in allem war es ein toller Törn.

Wir hatten 14 Tage schönes Wetter.
Das Multivlet ließ sich hervorragend händeln und es gab nie Probleme.
Wir haben neue Wasserwege entdeckt, die wir auf jeden Fall noch einmal befahren werden.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an das Team von Yachtcharter Sneek für den extra Fahrtag mit diesem tollen Schiff.

Petra & Erich

Niederkassel, den 18.10.2005