Mit der Wolvenjacht 5 durch sechs Provinzen 

Nun ist es endlich wieder soweit. Unser Sommertörn beginnt. Diesmal sind wir mit der Kutterjacht “ Wolvenjacht 5”, einer Breva 10,20 OK unterwegs. Diese Jacht haben wir bei Jachtcharter Panorama aus Zwartsluis gemietet. Es wird sicher eine spannende Reise, da es diesmal Richtung Amsterdam geht. Dieses Ziel war schon lange nicht mehr Programm.
Los geht´s !! 
Mal wieder ist es später als geplant als wir den Heimathafen der Wolvenjacht 5 verlassen. Trotzdem schaffen wir es an diesem Abend noch bis Grafhorst vor Ijsselmuiden.

Wir möchten heute einen langen Fahrtag einlegen, da wir unserem Ziel ein ganzes Stück näher kommen wollen. Ohne eine Pause einzulegen fahren wir die Ijssel stromabwärts bis zum Kettelmeer. Von dort aus über die Randmeere, vorbei an Elburg, Harderwijk und Zeewolde. Gegen 16 Uhr haben wir unser geplantes Tagesziel erreicht. Im Nuldernauw befindet sich in Fahrtrichtung rechts eine geschützte Bucht mit Namen Wij-land die hier für die Recratievaart gepflegt wird. Wir legen unser Schiff so an, das wir den Rest des warmen Spätsommertages in der Kuip geniessen können.

Unsere Reise führt uns heute auf direktem Weg nach Naarden. Dieses Städtchen haben wir auf einem früheren Törn schon einmal besucht, nur leider zu kurz. Also wollen wir uns diesmal mehr Zeit nehmen und einmal genauer hinschauen. Die Fahrt dorthin verläuft ziemlich unspektakulär. Beim Einlaufen im 
J. H. Naarden legen wir uns an den Meldesteigen und bekommen einen Liegeplatz an der Westkade zugewiesen. Jetzt werden die Drahtesel klar gemacht und unsere Fahrradtour kann losgehen. Naarden ist ein kleines Städtchen das im 17. Jahrhundert zu einer Festung ausgebaut wurde und heute noch erhalten ist. Hinfahren lohnt sich. Sehr sehenswert !!!

Heute wollen wir nach Amsterdam. Der Wetterbericht verspricht eine ruhige Überfahrt. Nach dem Passieren der Hollandsebrug steuern wir nacheinander folgende Punkte an. Die Tonne IJM 16, danach die Insel Pampus, die wir steuerbord liegen lassen und im Anschluss Hoek van Het Ij. Von dort aus geht es im betonnten Fahrwasser direkt zu den Oranjesluisen. Nach einer überraschend unruhigen Fahrt auf dem Afgesloten Ij erreichen wir den Aeolushaven. Hier findet man links den Meldesteiger, an dem wir von einem freundlichen Hafenmeister begrüsst werden. Da die Wolvenjacht 5 bei ihrer Länge von 10,20 m verhältnismässig breit ist (3,85m) dürfen wir an diesem Steiger für zwei Tage bleiben.
Nach kurzer Verschnaufpause kaufen wir erst einmal ein paar Lebensmittel für das Wochenende ein. Ein sehr grosser Supermarkt schliesst direkt an das Hafengelände an. Noch näher geht es nicht. Am frühen Nachmittag wagen wir uns in das Getümmel von Amsterdam und fahren mit der Fähre, die in ca. zehn Minuten vom Hafen aus zu Fuss zu erreichen ist, vom Ij Plein zum Hauptbahnhof. Wir besteigen eines der vielen Rundfahrtboote, die hinter dem Hauptbahnhof liegen und lassen uns eine Stunde durch die Grachten chauffieren. Danach gehen wir zum Museum Nemo und besichtigen den angrenzenden Museumshafen. Komisch, wieso kommt einem der Rückweg immer länger vor als der Hinweg? Nun ja, irgendwann am Abend erreichen wir unser Schiff und lassen diesen erlebnisreichen Tag ausklingen.

Wir werden heute zu Fuss Amsterdam erkunden. Auf unserer Tour wollen wir das “ Offene Hausboot ”, einen alten als Wohnhaus umgebauten Lastkahn besuchen. Als nächstes das Heineken Experience, die berühmte Brauerei die Ihre eigene Geschichte von der Gründung bis heute wiedergibt. Im Anschluss, auf dem Rückweg, die Oude Sluis von 1695, die heute offen steht. Alle Ziele kann man mit genügend Ausdauer zu Fuss erreichen, Auf unserem Weg durch die Stadt haben wir so viele Eindrücke gesammelt, das es hier den Rahmen sprengen würde alles wieder zugeben. Ein wichtiger Faktor ist Zeit. die man sich auf jeden Fall nehmen sollte um auch mal an dem einen oder anderen Platz zu verweilen. Auf dem Weg zur Oude Sluis sind wir an einer Wasserstrassenkreuzung für ca eine halbe Stunde stehen geblieben und haben dem Treiben von oben zu gesehen. Von Rundfahrtbooten in allen Variationen, ob modern oder historisch. Schlepper, Jachten, Ruder- oder Tretbooten, alles war vertreten was fahren oder schwimmen kann. Sehenswert ist auch das chinesische Viertel, in dem sich ein Restaurant an das andere reiht, mal ganz abgesehen von den vielen kleine Läden, in denen man alles mögliche und unmögliche kaufen kann. Nun, wie dem auch sei. In dieser grossen multikulturellen Stadt ist für jeden Interessierten etwas dabei. Nach neun Stunden Stadtbummel sind wir froh wieder auf der Wolvenjacht 5 zu sein, die Schuhe aus zu ziehen und ein kühles Heineken zu trinken.

Prost Amsterdam X X X

Das heutige Ziel soll Haarlem sein. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Zunächst einmal legen wir ab und fahren den Noordzee-Kanaal in Richtung Ijmuiden um dann bei km 10 backbord in den Zijkanaal-C abzubiegen. Bei Spaarndam ist die Schutzschleuse wegen dringender Reparaturarbeiten gesperrt. Das heisst - kein Durchkommen für uns und kehrt Marsch - zurück durch Amsterdam, um von hier aus auf den Ringvaart van de Haarlemermeerpolder zu gelangen. Haarlem fällt jetzt aus, dafür geht es jetzt Richtung Gouda. Schon etwas geschafft, vom ausserplanmässig langen Fahrtag, laufen wir am Abend den Jachthaven Noorderhem im Brassemermeer an.

In südlicher Richtung soll es weitergehen. Wir legen am späten Vormittag in Alphen a/d Rijn an um ein paar Lebensmittel zu kaufen. Dabei schauen wir uns gleich noch ein wenig dieses Städtchen an und sind überrascht. Vom Wasser aus sieht Alphen a/d Rijn ein wenig verschlafen aus. Beim Bummel durch die Stadt stellen wir fest, das es hier unzählige Einkaufsmöglichkeiten gibt, die keine Wünsche offen lassen. Es ist sogar ein grosses Einkaufszentrum hier am Platz.
Nachdem alles eingekauft und verstaut ist, setzen wir unsere Reise fort. Vorbei an Boskoop, Waddinxveen und Gouda fahren wir in östlicher Richtung auf der Hollandse Ijssel.
Die Waaierschutsluis wird zügig für uns bedient. Bei Stein werden wir zu einer Zwangspause von einer Stunde verdonnert, da die Brücke erst wieder um 18 Uhr öffnet. Obwohl es schon spät ist entschließen wir uns noch bis Oudewater zu fahren. Wir werden auf dieser letzten Etappe von der tiefstehenden Abendsonne begleitet, die die Landschaft vor uns in ein warmes Licht taucht.

Und heute werden wir von einem herrlichen Sonnenaufgang geweckt, Herz was willst Du mehr ?
Wir fahren die Hollandse Ijssel stromabwärts, vorbei an Montfoort und Ijsselstein. In Nieuwegein an der Koninginnesluis schleusen wir zum Lek ab. Von hier aus geht es stromaufwärts bis Culemborg. Im Jachthafen “ De Helling” ist nach der Einfahrt an steuerbord der Passantensteiger. Es wird empfohlen backbord mit dem Bug zum Lek anzulegen, damit das Schiff ruhiger liegt. Hier erwartet uns ein nettes kleines Städtchen mit vielen historischen Fassaden, einem Stadthaus das zu den schönsten der Niederlande zählt. Auch geschichtlich hat Culemborg einiges zu bieten, und wer hätte das gedacht, sogar ein Elvis Presley Museum.

An und für sich gibt es heute nicht viel zu schreiben. Von Culemborg fahren wir den Lek weiter stromaufwärts bis zum Amsterdam- Rijnkanaal. überqueren diesen und von hier aus geht es weiter bis zur Schleuse Amerongen. Ab hier heisst der Lek Nederrijn, dessen Wasserstand durch Schleusen reguliert wird. Was uns an diesem Wasserweg immer wieder fasziniert ist der natürliche Flusslauf, mit auslaufenden Ufern, und die abwechslungsreiche Landschaft. Im Oberwasser der Schleuse Driel befindet sich ein kleiner Passantenhafen mit einem Schwimmsteg für etwa sechs Boote, den wir heute anlaufen. Von hier aus erreicht man auch mit wenigen Schritten den Schleusenkomplex, das auf Anfrage auch betreten und besichtigt werden darf. Hier endet unsere Fahrt für den heutigen Tag. So, das war ja doch mehr als gedacht.

Früh aufstehen ist angesagt. Die Überlegung ist, trotz einer langen Strecke, die überwunden werden muss, auch noch etwas vom Tag zu haben. Unser Ziel ist Zutphen an der Gelderse Ijssel. Als wir am Mittag hier ankommen, muss der Hafenmeister uns abweisen. Da der Wasserstand im Hafen zu niedrig und die Tendenz weiter fallend ist, möchte niemand einen Schaden am Schiff riskieren. Er teilt uns mit, das der Pegel um 1,50 m gefallen ist und die Zufahrten zu den anderen Jachthäfen an der Ijssel auch problematisch werden könnten. Wir prüfen daraufhin unsere weiteren Anlegemöglichkeiten auf dieser Strecke. Unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten kommt als nächstes Ziel nur Zwolle in Frage, da hinter der Spooldersluis der Wasserstand immer konstant gehalten wird. Also nichts wie hin !!! Nach 11 Stunden unfreiwilliger Fahrt kommen wir im Passantenhafen von Zwolle an. Nun gönnen wir dem Motor dieses treuen Charterschiffes und uns die wohlverdiente Ruhe.

Bei uns gehen heute die Uhren besonders langsam nach dem gestrigen, doch etwas anstrengenden Tag. Ausschlafen, Kaffeetrinken und Bummeln sind angesagt. Am Nachmittag gegen 13.30 Uhr legen wir dann ab und fahren auf dem Zwarte Water, vorbei an Hasselt, bis nach Zwartsluis. Hier laufen wir kurz in den Heimathafen der Wolvenjacht 5 ein um Wasser zu bunkern. Später passieren wir die Arembergersluis und fahren noch bis zu den Beulaker Wijden. Das muss für heute reichen, morgen ist auch noch ein Tag . . .

. . . und der soll heute genau so ruhig verlaufen, weil es gestern so schön war. Wir haben geplant am Sonntag in Blokzijl zu verbringen und werden darum heute nur einen kleinen Rundtörn machen Das heisst über die Beulaker Wijde, durch Giethoorn, vorbei an Steenwijk streifen wir Ossenzijl, um dann über die Kahlenberger Grachten zu fahren. Bei Muggenbeet machen wir an einem Marrekrite - Liegeplatz fest. Hier lassen wir den Abend ausklingen.

Morgennebel verhindert ein frühes Ablegen. Aber das ist heute nicht so wichtig, da wir nur einen Katzensprung von unserem heutigen Ziel entfernt sind. Wie gestern schon erwähnt laufen wir gegen 11 Uhr in Blokzijl ein. Im Hafenkolk legen wir die Wolvenjacht, mit dem Heck zur Schleuse, in eine Box. Den Nachmittag verbringen wir, bei herrlichem Sonnenschein, mit entspanntem chillen und geniessen die Ruhe in der Kuip. Leider wird ab und zu die Ruhe von blechernen Drehgeräuschen unterbrochen, die durch das Hafenbecken hallen. Offenbar sind einige selbst ernannte Charterkapitäne nicht in der Lage bei absoluter Windstille ein Schiff nur mit Motorkraft und Ruder zu manövrieren. Statt dessen wird kräftig Gebrauch von Bug- und Heckstrahlruder gemacht. Worüber sogar die Bewohner dieses Ortes nur mit dem Kopf schütteln.
Nichts gegen diese moderne technische Errungenschaft, aber sie sollte auch nur dann eingesetzt werden , wenn sie wirklich gebraucht wird.
P.S.
Man sagt: “ Die besten Kapitäne stehen an Land “, aber hier wurden heute Manöver gefahren die ihresgleichen suchen. Wir gehören nicht zu den Leuten die dauernd was zu nörgeln haben, aber es gibt Dinge die müssen mal gesagt werden.

Unser letzter Fahrtag bricht heute an und wir werden auch nur eine kurze Distanz zurücklegen. Von Blockzijl aus fahren wir nach Giethoorn. Wir holen unsere Fahrräder noch mal aus dem Stauraum in der Kuip und machen sie startklar.
Nun radeln wir los und schauen uns das Venedig des Nordens an. Einen Grossteil dieser Häuser kann nur mit dem Boot, mit dem Fahrrad oder zu Fuss erreicht werden. Das Dorf ist von Wassergräben durchzogen und mit schmalen Wegen und kleinen Brücken verbunden. Jetzt im Herbst ist Giethoorn nicht so überlaufen und man kann sich alles in Ruhe anschauen. Es gibt auch die Möglichkeit mit einem Elektroboot durch die Grachten zu fahren und sich das Ganze aus einer anderen Perspektive anzuschauen. Nach unserem Ausflug verstauen wir unsere Drahtesel wieder und machen uns auf den Weg nach Zwartsluis zum Heimathafen der Wolvenjacht 5. Hier laufen wir zwei Stunden später ein, und verbringen die letzte Nacht an Bord Morgen früh geht es nach Hause.

Fazit:
Overijssel, Friesland und Groningen sind schön, aber Abwechslung auch. Es war ein spannendes Erlebnis in diesem Sommerurlaub mal wieder andere Provinzen zu befahren. Einer der Höhepunkte war sicherlich der Besuch in Amsterdam. Überrascht waren wir auch von Alphen a/d Rijn und Culemborg. Traumhaft schön war die Fahrt über die Hollandse Ijssel und sehr spannend die Fahrt über die Niedrigwasser führenden Flüsse Nederrijn (ab Schleuse Driel ) und Gelderse Ijssel. Leider konnten wir aufgrund dieses Umstandes Hattem und Zutphen nicht anlaufen. Schade, aber wir kommen wieder.


Die Jacht:
Die “ Wolvenjacht 5” hat uns auf Anhieb sehr gut gefallen. Die Fahreigenschaften des Schiffes sind beachtlich. Es ist möglich das Schiff, bei eingeschlagenem Ruder und ohne Bugschraube, in einem Zug praktisch auf dem “ Teller” zu drehen. Des weiteren ist die Wolverjacht 5 beim geradeaus fahren sehr kursstabil. Trotz einer Breite von 3,85 m bei 10,20 m Schiffslänge hatten wir bei Wind nie Probleme die Jacht zu händeln. Vom Innenfahrstand aus hat man eine sehr gute Rundumsicht. Am Aussenfahrstand, der an der Steuerbordseite plaziert ist, ist die Sicht nach vorne eher eingeschränkt.

Sehr gut ist, das der Motor auch vom Aussenfahrstand aus gestartet und gestoppt werden kann. So braucht man beispielsweise während des Schleusenvorgangs nicht zum Innenfahrstand zu gehen. Das ist sehr praktisch und bequem. 
Besonders lobenswert ist die grosse Vorkajüte mit den geräumigen und beleuchteten Schränken. Dank der kräftigen Heizung war es an Bord sehr schnell warm, was in der kühleren Jahreszeit sehr vorteilhaft ist. Bad und Küche sind für eine Jacht dieser Grössenordnung völlig ausreichend. 
Bauart bedingt sind bei diesem Schiffstyp (Breva Pilot) die Seitenscheiben im Salon recht hoch angesetzt, dadurch ist die Sicht zur Seite eingeschränkt. Grosse Scheiben in den Türen zur Kuip ermöglichen aber einen guten Ausblick.
Eine tolle Jacht, die wir weiter empfehlen können.